Was für ein Tag!
Am Abend hatten wir noch aus dem Campervan leicht belustigt die Zelt-Aufbauversuche einiger Jungspunde beobachtet. Wir standen auf einem DOC Platz (Departement of Conservation) wunderschön am See gelegen und diese Truppe tat sich besonders schwer. Auch zu Hilfe eilende ‚Altcamper‘ konnten aber nicht wirklich helfen. Auch wenn diverse andere Igluzelte in Sekundenschnelle entstanden, ging das Spiel bei den schon erwähnten Herren munter weiter. Zwischenzeitlich stand ein Ungetüm in dem man hätte stehen können, dieses verschwand aber wieder und das Gestänge und die diversen Layer wurden wieder auseinandergenommen. Irgendwann war es so dunkel das wir schlafen gingen…
Am nächsten Morgen eröffnete sich wiederum ein recht ‚lustiges‘ Bild. In der Nacht hatte der Regen eingesetzt und als wir die Vorhänge öffneten, standen die meisten Zelte als kleine Inseln im Wasser. Die Werktruppe hatte es aufgegeben und wohl irgendwo Asyl bekommen, auf jeden Fall lag das Material immer noch rum. Alles andere war abgesoffen und wir erlebten was es heißt wenn es an der Westküste mal regnet.
Hier wird Regen auch nicht im mm gemessen, sondern gleich in Metern. Stattliche 8-10 Meter regnet es pro Jahr, und wenn dann so richtig.
Der Tag begann also mit Schadenfreude, bis es uns selber traf! Unser Campervan ist wohl eine Sommerausgabe, auf jeden Fall drang auf einmal durch Fenster, Tür und diversen anderen Stellen auch bei uns das Wasser ein!
Es blieb uns nicht anderes als die Flucht nach vorne anzutreten. Also kurzes Frühstück und dann losfahren in der Hoffnung dem Regen etwas zu entkommen.
Am Fox Glacier angekommen und in voller Regenmontur wagte ich einen Vorstoß zum Gletscher. Dieser wurde nach nur 20 Minuten Marsch jäh durch einen zum kleinen Strom angeschwollenen Bach gestoppt. Hier war kein durchkommen mehr und bei weiterhin anhaltendem Kübelregen auch zu gefährlich.
An dieser Stelle muss nochmal erwähnt werden das wir bei unsere bisherigen Reise durwegs top Wetter hatten und es wohl auch länger nicht mehr geregnet hat. Überall auf der Westseite der Südinsel ist absolutes Feuerverbot und Waldbrandgefahr. Auch die Unterschiede zwischen den Bezeichnungen: River, Stream, Creek, Culvert sind an einigen Stellen ad absurdum geführt.
Zurück zum wundersamen Neuseelandtag.
Es ging also weiter zum Franz Josef Gletscher der nur eine halbe Stunde entfernt liegt. Es besserte sich das Wetter das wir bis zur Gletscherzunge eine schöne Wanderung unternehmen konnten. Anfangs hingen die Wolken noch tief, hoben sich aber Stunde um Stunde und legten Gletscher und diverse Wasserfälle frei.
Am Abend stoppten wir am Lake Mahinapua. Die Wolken hatten sich verzogen und tauchten den See und die ihn umgebende Djungellandschaft in ein tolles Licht, das nur noch vom Sonnenaufgang und der klar ‚gewaschenen‘ Luft getoppt wurde.
Kurzum: Die immer wieder profezeiten 4 Jahreszeiten an einem Tag erlebt man hier wirklich! Von dicker Jacke und Mütze über Regensachen bis hin zu Sonnenbrille, T-Shirt und kurzer Hose braucht man alles und sollte einen Tag nie verloren geben…
Wie es den Jungspunden mit ihrem Zeltmonster weiter ergangen ist wissen wir nicht, wir haben auf jeden Fall wieder ein trockenen Campervan und geniessen die Sonne 🙂

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